Bellinzona

Bellinzona liegt im italienischsprachigen Kanton Tessin in einer Talenge unterhalb des Gotthardmassivs. Die Besiedlung des Ortes begann bereits vor etwa 5 000 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Castelgrande, da die Gegend sowohl vor Hochwasser des Flusses Ticino als auch vor eventuellen feindlichen Angriffen geschützt war. Bis zum ersten nachchristlichen Jahrhundert gehörte der Ort zum Römischen Reich und wurde aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage zur Festung erweitert. Die Langobarden bauten im 5. Jahrhundert die größere Burganlage Castelgrande. 590, im Zusammenhang mit einem Angriff der Franken, wurde die Ortschaft als Belintiona zum ersten Mal genannt. Ab 1242, inzwischen ein Handelsort, gehörte Bellinzona zu Mailand, wurde aber immer wieder Ziel der Machtkämpfe verschiedener Herrscher. 1499 fiel die Stadt an Frankreich und 1503 an die neu gegründete Eidgenossenschaft. 1803 entstand der Kanton Tessin.

Die Hauptattraktionen von Bellinzona sind die drei mächtigen mittelalterlichen Burgen, die zu den wichtigsten Bauwerken des Alpenraumes aus dieser Zeit zählen. Sie gehören, zusammen mit einigen anderen Gebäuden, seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Vom Castelgrande, dessen Spuren bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert reichen, bietet sich ein schönes Panorama auf Bellinzona. Die Burg wurde mehrmals erweitert und beeindruckt mit der mächtigen, von Zinnen gekrönten Festungsmauer, die bis zur Stadt reicht sowie zwei hohen Türmen. Im Museum wird die Stadt- und Burggeschichte dokumentiert. Die Burg Sasso Corbaro, die aus dem 15. Jahrhundert stammt, beherbergt das Tessiner Volkskundemuseum, Montebello aus dem 13. Jahrhundert das Historische Museum.

Die Altstadt ist geprägt von schönen, reich verzierten Häusern und Laubengängen. An der Piazza Collegiata führt eine große Freitreppe zur eindrucksvollen Renaissancefassade der Kirche Santi Pietro e Stefano hinauf, die mit einer gotischen Rosette verziert und innen mit bedeutenden barocken Kunstwerken ausgeschmückt ist. Die Piazza Nosetto ist gesäumt von Arkadenhäusern aus dem 15. Jahrhundert. Die Kirche San Giovanni Battista ed San Giovanni Evangelista hat eine interessante zweistöckige Fassade mit Säulen. Beeindruckend sind die großflächigen Fresken vom Leben und Sterben Jesu in der Kirche Santa Maria delle Grazie von 1505. Ebenfalls schöne Fresken zieren die frühgotische Basilika San Biagio im Vorort Ravecchia. In der von einem Park umgebenen Villa dei Cedri ist das Städtische Museum für moderne Kunst. Das neo-klassizistische Teatro Sociale ist das einzige erhaltene Theater der Schweiz aus dem 19. Jahrhundert. Der Parco della Golena am Ticino lädt zu Spaziergängen ein.

Etwa 17.000 Menschen leben heute in der Kantonshauptstadt des Tessins. Die imposanten Festungsanlagen, zahlreiche alte Kirchen, aufwendig verzierte Patrizierhäuser, das italienische Theater, hübsche Plätze und Höfe prägen die Stadt mit der lombardischen Vergangenheit, welche den Schriftsteller John Ruskin und den Maler William Turner anzogen. Doch ist Bellinzona nicht im Mittelalter stehen geblieben. Architektonischer Ausdruck der Moderne sind beispielsweise das Restaurant im Castelgrande und der auf dem Monte Carasso gelegene Convento delle Agostiniane, der zu einem modernen Schulzentrum umgebaut wurde. Wirtschaftlich liegt der Schwerpunkt von Bellinzona auf dem Bereich des Maschinenbaus. Zusammen mit Locarno, Lugano und anderen Orten bildet die Stadt die Metropolregion Tessin. Der wichtige Verkehrsknotenpunkt gewährt den Zugang zu den Alpenpässen San Bernardino, Sankt Gotthard, Lukmanier und Nufemen und öffnet so von Norden her den Weg nach Italien, aus der südlichen Richtung zu den Alpen.

Touristisch gesehen sind die drei Burgen der Hauptanziehungspunkt von Bellinzona, doch wird die Stadt eher weniger als Ferienort wahrgenommen. Trotzdem ist die Ortschaft mit dem italienischen Flair ein idealer Ausgangspunkt, um die romantischen Seitentäler des Tessins zu erkunden, auch die Leventina mit dem Blenio- und dem Bedrettotal sind gut erreichbar, ebenso die Ferienorte Lugano, Ascona und Locarno.

Kulturell bedeutend sind verschiedene Veranstaltungen. Die seit 150 Jahren gefeierte traditionelle Fasnacht, Rabadan genannt, lockt nicht nur Tausende aus der Schweiz, sondern auch aus den Grenzregionen an. Sechs Tage lang finden Maskenbälle statt sowie ein großer Maskenumzug. Dem Brauchtum des Karnevals verbunden ist außerdem die Guggenmusik. 1958 wurde die Ciod Stonaa, die Tessiner Guggenmusik, gegründet. Diese Kapellen, ursprünglich in Süddeutschland und der deutschsprachigen Schweiz beheimatet, zeichnen sich dadurch aus, dass sie zur Fasnachtszeit maskiert auftreten. Der Präsentation kulinarischer Spezialitäten der Region dienen im Herbst die beiden Feste Bacchica Bellinzonese, ein traditionelles Weinfest mit Trachtenumzug, Weinproben sowie einem großen Theater- und Musikprogramm und der Käsemarkt mit Produkten aus dem Tessin. Im Advent gibt es außerdem in der Altstadt einen Weihnachtsmarkt. Das im Sommer stattfindende mehrtägige Piazza Blues Festival, das etwa 30.000 Menschen besuchen, hat sich seit seinem Beginn 1989 zu einer bedeutenden europäischen Musikveranstaltung entwickelt, bei der zahlreiche internationale Stars auftreten. Für Filmfans ist das sommerliche Cinema Open Air in der Burg Castelgrande interessant sowie das im Spätherbst stattfindende Kinder- und Jugendfilmfestival Castellinaria. www.bellinzonaturismo.ch.